von Melissa Celmeur

Wenn Stress krank macht: Was steckt hinter dem Burnout-Syndrom?

Immer mehr, immer besser, immer schneller – wer dauerhaft versucht, das Maximum aus sich herauszuholen, gerät zwangsläufig an einen Punkt, wo körperlich, mental oder emotional nichts mehr geht. Die Folge? Ermüdung, Depersonalisierung und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit oder kurz Burnout-Syndrom. „Manche Menschen erwischt diese Erschöpfung eher mild, während bei anderen sowohl psychische als auch physische Beschwerden auftauchen“, erklärt Klaus-Dirk Kampz, Geschäftsführer der My Way Psychiatrische Klinik in Eckenhagen. Entsprechend wichtig ist eine zuverlässige Diagnose, um Betroffenen mit geeigneten Therapien zu helfen.

Burnout-Symptome zeigen sich durch einen belastenden Zustand

Zu hohe Erwartungen an sich selbst, sei es im beruflichen oder privaten Bereich, führen zu starkem Leistungsdruck. Werden die häufig unrealistischen Ziele nicht schnell genug erreicht, wächst die Frustration. „Betroffene erhöhen in dem Fall meist sogar noch den persönlichen Einsatz, um einem Scheitern entgegenzuwirken. Infolgedessen nehmen Burnout-Symptome wie Gereiztheit, sinkende Belastungs- und Leistungsfähigkeit, wachsende Anspannung sowie chronische Müdigkeit zu“, weiß Kampz. Tiefe Verzweiflung, Lustlosigkeit und das Gefühl, ausgebrannt zu sein, machen sich breit. „Sonstige Aktivitäten, selbst jene, die einst Freude bereiteten, fühlen sich aufgrund der Dauerbelastung wie eine Bürde an und werden zunehmend vernachlässigt. Wer am Burnout-Syndrom leidet, isoliert sich deshalb häufig und schränkt das eigene Sozialleben ein“, erläutert Kampz. Außerdem kann der permanente Stress zu Schlafstörungen, Tinnitus oder Atembeschwerden führen.

Hohe Anfälligkeit, am Burnout-Syndrom zu erkranken

Menschen, die große Verantwortung tragen, oft mit belastenden (zwischenmenschlichen) Extremsituationen umgehen und im Alltag besonders viel leisten müssen, weisen ein hohes Risiko auf, an dem Erschöpfungssyndrom zu erkranken. „Dazu gehören häufig die Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung. Außerdem zählen wir dazu auch alle anderen, die ein hohes Maß an Verantwortung und Führung auch sich selbst gegenüber zu leisten haben, beispielsweise Lehrer, Mütter, Pflege- und Sozialarbeiter, Ärzte, Polizeibeamte, Politiker bis hin zu Bühnenkünstlern“, erklärt Kampz. Einige Menschen sind aber auch unabhängig von ihrer Jobbeschreibung aufgrund ihrer Einstellung sehr anfällig. Überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft, Harmoniebedürftigkeit, Perfektionismus und Idealismus können ebenso zu Erschöpfung führen wie ein Unvermögen, abzuschalten.

Rechtzeitig eine Therapie bei Burnout anfangen

Ein Burnout-Syndrom tritt nicht plötzlich auf. „Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, an dessen Ende sich schwerwiegende Depressionen entwickeln können“, unterstreicht Kampz. „Allerdings ist eine solche Progression nicht unvermeidlich. Sie lässt sich unterbrechen.“ Um eine Burnout-Behandlung zu starten, empfiehlt es sich, Stressauslöser frühzeitig zu erkennen, zu vermeiden und für einen erholsamen Ausgleich zu sorgen. Coachings, Yoga oder ähnliche Entspannungstechniken können der Prävention dienen. „Oftmals fällt es Menschen mit dem Syndrom jedoch schwer, alleine einen guten Umgang mit Stress zu erlernen – insbesondere, wenn bereits ein chronischer Erschöpfungszustand besteht“, betont Kampz. „Es ist deshalb wichtig, rechtzeitig zu handeln und sich Unterstützung zu suchen.“ Mithilfe einer Therapie bei Burnout gelingt es den Betroffenen in der Regel, wieder eine Balance zu finden, den Leidensdruck zu lindern, wieder mehr Leichtigkeit im Alltag und Freude am Leben zu gewinnen.